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Schädel schalldicht - Phantasmagorien ...

Wissen Sie, der Mann von der Straße hat nicht einmal den blassesten Schimmer davon, wie alltäglich auftretende Geräusche durch eine – freilich ungewollte – Umzüchtung der eigenen Nerven, eine sich selbst verfluchende Kreatur wundzutönen imstande sind!
Ja, ich verfluche mich, ob perfiden Leichtsinns, ob einer unsäglichen Narretei, einer fixen Idee auf den Leim gegangen zu sein. Und diese Idee, bitte lauschen Sie mir nur grad, leihen Sie mir nur leichtfertig Ihr Gehör, wenn’s beliebt, war die folgende: Der Versuch eines umfassenden akustischen Ausweichmanövers vor der schallflutenden Welt der Töne.
Wie? Sie finden das hochgradig amüsant!? Halten S’ inne, Schmalzmensch, denn Ihr grobes Gelächter, auch wenn ich es nicht mehr hören kann, es schlägt Wunden in mein zartes Gemüt, welches ohnehin flächendeckend narbenüberwuchert im Zustande chronischer Regeneration verharrt -- sich seiner selbst nicht bewußt. Warum machen Sie nicht für die nächste, ja überschaubare Zeit, denn meine Geschichte will ich möglichst knapp darlegen, eine Knoten in Ihre Zunge? Würden S’ das auf sich nehmen? Einem Krüppel zuliebe? Einem Paratauben dazu? Gut, ich seh’, Sie haben sich überwunden. Wie Neugier Menschen handeln läßt in sklavischer Eile und Tugend! Sitzt er auch gut, wie macht sich das Knötchen im Mäulchen? Ach, ich sarkastische Ausgeburt vergaß. Es herrscht ja Stille im Auditorium, das harrt einer reißerischen Geschichte, einer Sensation für unversehrte Sinne.
Seit Anbeginn der Zeit ist Zivilisation mit einem Rumoren, einem voluminösen Wimmeln verbunden, welches in der Verstädterung der Zeitalter immensen Auftrieb erfuhr. Die Landflucht brachte Menschen dazu, ein Teil des Eintopfes zu werden, in dem es blubbert, in welchem es schwillt und abflaut, das Zischen zivilisierter menschlicher Zutaten, wobei das Sammelsurium an Personen, eine Art organisches „perpetuum mobile“, ein Gericht, ja ein hohes Gericht der Hektik darstellt. Und das Vieh, das sich selbst erschuf, es quiekt, quakt, schnattert, bellt und miaut uns die Ohren voll und will uns oft als Beispiel dienen! Doch nicht genug der Reize, wo denkt Ihr hin? Der Mensch erschuf Maschinen, um Kontrolle zu erlangen über eine unbändige Natur, die er sich untertan zu machen wünscht und somit einer impertinenten Illusion anhängt. Und sagt mir, wer beherrscht denn heute wen? Eine menschliche Urproblematik ist doch, daß Inhärentes nach außen zu quillen trachtet! Die Angst des Kontrollverlustes gepaart mit der Utopie des Fortschritts hat uns bis heute eine äußerst grandiose Technisierung eingebracht. Wir können wahrlich stolz sein auf unseren status quo.
Maschinen ernten und bereiten unsere Nahrung und wir hungern nach einem Vollwert, der irgendwo im Getriebe eiserner (Hirn-)Gefährte hängenbleibt. Maschinen machen uns so mobil, daß wir vor lauter Bewegungsmangel als Todesursache Nummer eins an Herzkreislauferkrankungen dahinsterben wie überfette Mastgänse bei der weihnachtlichen Schlachtung. Doch es gibt ja Maschinen!!! Maschinen halten uns länger am Leben, denn die Technisierung besiegt selbst den Tod -- vorübergehend zumindest. Ein Lachen in den Rängen? Noch hast Du Zähne, passiver Wurm!
Nicht daß ich etwas gegen Maschinen hätte!! Woher denn? Passen Sie nur auf, daß sich der Knoten nicht löst, Ihr Stummen, Ihr dummen Opfer, die Ihr in bildhafter Verherrlichung als Subjekte der Post-Post-Moderne, dem Zünglein an der Wage aufkommender Dekadenz, den Anstoß gebt, den Stoß zum Kippen, zum Umkippen des Gewichtes auf der Waage dieser -- und jetzt kommt es, spitzt die Ohren an -- schrecklich lauten Welt! Denn, der Lärm, ob er nun um nichts, manches oder alles gemacht wird, hat mich zu dem gewandelt was ich heute bin – einem akustischen Alchemisten! All Ihr großen Philosophen, steckt Euch Watte in die Ohren, unterlaßt es nicht, das Riechorgan zu rümpfen! Eure in Worte gekleideten Gedanken sind doch noch lange nicht edel, nur weil sie lautlos sind! Popelnd seziert Ihr Euch das Hirn, ein perpetuum mobile als Mikrokosmos! Doch ein unbegrenztes Rotieren führt lange nicht zu Veränderung! Ausbrechen muß man aus dem Kreis von Persönlichkeit. Das objektive Bewußtsein ist edel! Spannt Eure Kinnlade an das Gesichtsroß, Ihr dämlichen Ausgeburten der Krachgesellschaft wenig meisterlicher, doch der vielen Worte! Hohler, lärmender, knacksender Worte, die Wunden reißen können und es tun, wenn man sich nicht schützt davor hilfs Einwattung. Seht nur her, seht mich an, mein zerfurchtes Antlitz ist Zeuge unzähliger burlesker Blas- und Schallattacken einer lauten, aber leeren Welt, in welcher man mangels natürlichem Antrieb erschlafft, ermattet und zuletzt ertauben will.

Schnipp, schnapp,
die Löffel, schneid sie ab.
Das Ideal der Stille
Ist mein teurer Wille.
Säbel ab die Lauscher,
säge hin und her,
laß den Ton verhallen,
der tosend’ Welten Ruh’verzehr!

Hihihihihihihihihi, zum Glück muß ich mein eigenes Lachen nicht mehr ertragen. Wie geht es Euch dabei? IHR IM KREISE HOCKENDEN, GEFESSELTEN LAUSCHER. DER LIMBUS WARTET! EIN LIMBUS OHNE TON. DENN TON IST IMMER GEDANKE!!! Und Gefühl ist Folge des Gedankens. Denkt IHR nicht? Ich fühle mich gut, weil ich meine Gedanken sortiert habe.
Das Leben hat so einschneidende Aspekte. Es macht mit einem Picknick, es schält uns die Seelenhaut von der Leibesfrucht wie einer Sssullltanine. Reife spielt hierbei keine Rolle. Nur reine Antipathie! Seid dem Leben Feind und es behandelt Euch wie einen!
Doch ich schweife ab, dies’ verdammte Ziehen, seitlich am Kopf, dieses Pulsieren; nun die Wunden sind noch nicht gänzlich verheilt! Ohnehin, werdet’s bald selbst erfahren, doch zuerst will ich reden, reden, reden, denn es ist so herrlich, sich selbst nicht mehr hören zu müssen! Das Verscheuchtsein wallender, verleidender Akustik, ist mir solch ein Balsam. Mein Inneres ist ein Gewoge lautloser Harmonie. Ich werde eins mit m..
„Aber ...“, -----------
Uuuuuneeeerhööört!!! MICH zu unterbrechen, als ich schwelgen wollte im GLÜCK, Du Mißgeburt unsäglicher Schlüpfrigkeit!! Du kleine frotzelnde Made, wie kannst Du es wagen, meine sortierten Gedanken aufzuwirbeln. Auch wenn ich Dich nicht hörte! Deine schwingenden Lippen sind mir Ekel genug. Zu den Fesseln also auch der Knebel! Mir langt’s. Rundherum die gleiche Straf’ für’s Mucken, für den Ausrutscher minimalistischen Ärgernisses durch unangebrachten Einsatz von TON!!! IHR plappernden, schwatzhaften Plaudertüten voll Kotze! Ihr unverständnisinnigen Labertaschen voll’ extravaganter Verbalexkremente! Unrat zwischen Ohren.

Ich könnte weinen vor Glück, denn ich habe alles richtig gemacht. Es hatte nur diese eine Option gegeben, die verheißungsvoll mir Leben schenkte als fleischgewordenes Ideal der Stille!
Immer wenn ich schreibe, sehe ich vor mir jenes Glas, jenes Behältnis, welches gleich einer individuellen Büchse der Pandora folgendes enthält und hütet:
Meine beiden Ohren. ---
Herrlich isolierte, grazil schwimmende Muscheln, in einem mikroskopischen Meer aus Alkohol, niemals weinend um den scheinbaren Verlust, niemals trauernd um den feixenden, durchtrennten, stillgelegten Hörnerv in meinem schalldichten Schädel.
Und was wär’ ich für ein Unmensch, die Eurigen am Fleck zu lassen!!! Unerhört, ja unerhört!!!!! Die Zunge war doch nur ein Vorspiel! Und es wird auch ein operatives Nachspiel geben – am Hörnerv.

Schnipp, schnapp,
die Löffel, schneid sie ab.
Das Ideal der Stille
Ist mein teurer Wille.
Säbel ab die Lauscher,
säge hin und her,
laß den Tod verhallen,
der tosend’ Welten Ruh’verzehr!

Wo, zum Limbus, ist nur die Zange? Ich hoffe, sie ist gut geölt! Denn eines darf sie niemals, NIEMALS, NIEMALS! NICHT UM ALLES AUF DER WELT:

quietschen.













Das dunkle Becken

Brüsk wage ich zu behaupten, Sie haben sich noch niemals vorzustellen versucht, wie es denn sein möge, jeweils einseitig beschuht mit einer Sandale und einem Kampfstiefel durch ein dichtes, kaltflockiges Schneegestöber zu waten! Ich bitte Sie, mir nicht entgegenzukommen bei meiner ungewöhnlich anmutenden Phrasendrescherei eines zur Ungewöhnlichkeit neigenden Zeitgenossen. Verurteilen Sie mich, wenn ich Ihnen gestehe, daß mir just in jenem Winter geradewegs solcherart zumute war! Einerseits fror es mich geradezu zehenaufbiegend; und zwar vor der Vergangenheit, die in meinem Falle ein krallendes Wesen angenommen hatte, das mir mit kaltem Zapfenlächeln eisgranatenbesetzte Ketten nachwarf. Niederzuckend Haken schlagend im Gefechte des Lebens, mutig vorwärtsschreitend, eingekeilt zwischen zwei Fronten des Zeitgefüges (vor mir lag andererseits der Graben einer ebenso schußbereiten, hitzigen Zukunft -- ein sehr wandlungsfähiger Gegner, dem es ein Groß meines halb verendeten Augenmerks anzugedeihen galt), schwankte ich halbbeherzt, halbseitig gefechtsbeschuht als Söldner der Gegenwart meinem neuen Heim entgegen – keinem Stollen, keinem Schützengraben und auch keinem Bunker, neugieriger Stablurer, sondern einem schicken, weißen Neubau ...

„Krahhh, Krahhh!“ da saust's feist hernieder aus den schneedurchpeitschten, tannendurchhängten Lüften! Krähen sind's, Saatkrähen, nicht Granaten. Man zuckt hier auch nur kurz ob ihrer rapiden, schattenheimlichen Erscheinung zusammen. Der Flügelschlag der Schwarzgefiederten – wie eine Luke ist er, ein Spion zum Krallenwesen einstmaligen Lebens draußen auf dem Lande. Zuhauf umscharten sie im Herbste einst die Felder meines Gutes, um der Saat habhaft zu werden. Wie eine dem Abgrund entstiegene, dämonisch verdunkelnde Plage, und doch so natürlich dem Triebe folgend: Schreckkraft durch Korn.
Das niederstiebende Vogelvieh vergrüßend, hatte ich vor, mir heute zum ersten Male im neuen Heim eine warme Mahlzeit zu gönnen, denn grad vorgestern wurd' die neue Einbauküch' angeliefert und fest verankert in der behaglich gedachten Räumlichkeit mannigfacher Speiserituale.

„Krahhh, Krahhh, seht den kleinen Manne da!
A feucht's Herz tropfet gar,
Dunkles Süpplein leidgeprüfter Zungenlaunen!
Puhlgeschabte Blut- und Kammerfreuden,
Prachtvoll' Futterkammer, da könnta staunen!“

Würden die Krähen etwa solch' Gedanken haben? Was dachten die bekrallten Luftschaben, wenn ihre schwarzen Knopforgane sich an mich nähten visuell? Sich vernarrten im Kontraste? Federvieh, laß mich in Ruhe! In die Truhe, Ruhe benötig' ich gar zu dringlich. Matschzerbreiend stapfte ich nu' schmalen Weg entlang zum Portal des Stahl- und Glaswürfels, eine Ausgeburt schwindsüchtiger Phantasie eines der vielen Übel modernster Zivilisation -- der Endzeit-
-Architektonik. Jawohl, vom ländlichen Palaste umgezogen, gezogen worden von der Leine angstgefleckter Unerträglichkeit ward ich in eine 2-Kammer-Truhe ellbogenwetzenden, kopfanstößigen Wesens. Beengt, bienengepfercht dahinlebend seit geraumer Zeit, als Arbeiter ohne Königin. Treu war ich dem Willen zur Verarbeitung durch Flucht allein!!! Verstehen Sie denn nicht!?? Die grauen Äcker!? Die gute Saat!? Paukenschläge der Panik zerschellen mir des Innenohrs Gleichgewichtssinn, wage ich auch nur annähernd eine gedankliche Auseinandersetzung mit jenen Geschehnissen! Sie und ich sind noch nicht bereit dazu. Haben Sie Vertrauen in einen Gebrochenen? Einen erbrochenen Menschenauswurf des Schicksalsmagens? Dann folgen Sie mir doch wagemutig in meine neue Kammer ...

Voll erdrückender Befangenheit, dünnfingrig drehte ich den Schlüssel im Loche, trat ambivalent tappend mit seltsamem Schuhwerke ein und trat auf den ersten Kadaver einer Krähe. Der rechte Fuß ließ Glück strömend warm zum Herzen fahren. Der Kampfstiefel rieb am Federteppich! Am Feder- und Gedärmeteppich!
Der, der linke Fuß ließ durch die raffinierten Sandalenritzen die Zehen vom Blute trinken. Saugt euch voll ihr kleinen, der Aperitif soll's richten zum Stampfgange ind' neue Kammer ...
Die Krähen hatte ich mit einem umgebauten Luftgewehr geschossen; recht lautlos ging's von statten. Dahhh, dahhh, lagen an die 20 im Flure da, fein aufgereiht und ausgefedert führend in die Räumlichkeit der Aufnahme wärmster Speisefreuden! Im Geiste nackt im Schnee hopsend, verlangte mich, die neue Küche mit Gleichmut erblickend, nach einem kräftigen Warmmahle.
Seltsam, die Pillen, die ich laut Arzt vor jeder Mahlzeit zu schlucken hatte (ich vergaß weshalb), hatten ja die gleiche Farbe wie mein Schuhwerk! Weiß, weiß, weißer als der Teppich der Vollkommenheit, der sich wie feierlich seid'nes Tuch über eine ergraute Leich' zu legen hat, um den Tod zu demaskieren! Schnee ist so schön, bevor er zu Matsch zerstampft wird. Anders bei dem Federvieh; ja andersherrummme, Ihr dummen, toleranten Zeitgenossen! Wißt Ihr was vom Gehen? Vom Dahingehen??? Mit Erde hat's zu tun garantiert; ungeniert konstatiere ich: mit Dreck! Fleckig ankünd'gen tut er sich, der Schmutzauswurf des Schicksals!
Die Pillen, die Pillen, sie sind so ästhetisch anzusehen -- Majestätik künstlicher Behaglichkeit. Wie elegant sie glänzen im dunklen Raume. Der Schnee ist in ihnen. Er muß es einfach sein, warum sonst täten sie mir so gut. Flink, flink, Graufleckiges abgewischt von Kleidung und Schuhwerk (das Material war naturgegeben äußerst empfindlich), stolzierte ich endlich erwartungsvoll barfüßig mit roten Zehen linken Fußes an den Herd des Heimes. In selten heller Küche stehend, denn viele Fenster ließen luren aus dem gläsernen Bienenstock -- wissen Sie, ob es Albinos gibt unter diesen staatenbildenden possierlichen gestreiften Sechsbeinern? --, ließ ich im Winter oft den geflockten Schnee hereinwehen zu meinem Seelenheil, zu meinem Seelenweiß! So auch heut' und just. Wie lustig die Kristalle sich im Reigen drehen! Diese unbefleckten, keuschen Kameraden. Umgarnt ward ich von attraktiver Anmut dieser Flockenkinder. Schmiegt euch an mich, Boten des Winterhimmels, liebkost mir mein schmutziges Haupt mit Eiseszungen Reinlichkeit! So kommt, zerschmelzet nicht zu flink, zergeht doch nicht an mir --- in mir! Ihr pillengeborenen Glücksfetzen, die ihr das Licht nicht erblicket, sondern fingt. ------
Mich beutelte ein gewaltiger Hustenanfall ..., denn kurz, nur kurz war aufgeflammt eine äscherne Vision einer Schneekönigin, die meinen Leib unsanft durchschüttelte. Die Pillen konnten doch damit nichts zu tun haben -- undenkbar! Wo kamen sie nur her, die Flocken, meine ich. Sie werden doch keine Gebieterin haben? Oder war's wie im Bienenvolk? Ein Staat des Schnees, welch Entzückung, welch Behaglichkeit, die Pillen wirkten wieder!!! Was taten Bienen nur im Winter, meine Güte?
Träumten sie im Honigiglu von bunten Blumen, von berauschendem Nektar, von ihrer geliebten Königin?

"Summm, summm, seht den kleinen Manne da!
A feucht's Herz tropfet, so süß und gar!
Buntes Blütensüpplein leidgeprüfter Zungenlaunen!
Puhlgebaute Blut- und Bienenwaben,
Prachtvoll' Futterkammer, da könnta staunen!"

Wären Bienen weiß, ich hätt' sie so lieb, so lieb gehabt, diese Tigerfliegen, diese gold'ne Brut!!! Sind sie ängstlich, wenn die Sonne schwindet?
Haustiere habe ich nicht und hatt' sie nicht am Lande draußen. --- Nur eine Hausfarbe, besser Kammerfarbe! B,b,b,besser als jedes Tier, und zzzzahmmer auch. Nicht widerspenstig und launisch, nur Treu' verlangt sie rigoros und zärtlich fordernd so gebieterisch.
Nun auch bei den Töpfen, die erstrahlten auf dem blitzeblanken Herde im Rechteck gar, flockenberieselt von Farbgeschwistern; wie Kälte knistert, wenn Wärme lumpenhaft dazwischenlodert, da jetzt im Topfe! Sie ordinäres Dummchen, Sie, wie sollt' die Hausfarb' wirken ohne Kontraste dahhh, dahhh??? Summm, summm, wie's blubbert, die Küch' ist fein , die Küch' ist rein; und wie der Herd erst. ---- Hitzeherz im Neubauiglu, koch sie gar, koch sie gar, der dunklen Brute Federnhäupt' im Topfe dahhh, dahhh, haaaaa, haaaaaa!!! Ein wenig schwarzer Pfeffer und allerhand dunkleres Gewürz nur nicht zu knapp, muß stärken mich, jajaja, und die Pillen müssen doch einen Sinn ergeben. Wär' doch schad' drum, so schad'! Der Absud soll zerlaufen hernach in frischer Erd' im Wasch- und Wonnebecken!!! Welch dreckiges Gericht ... ------ mein Gesicht; so bekömmlich für die Besserung, Verklärung, erneute Weißwerdung.

Denken Sie, es ist möglich sich im Grau zu spiegeln? Wie sollt's sonst sein, Physikerbrut, Du lächerliches Endzeit-Wissenschafts-Gefolge!? 's ist möglich, 's ist drin, es ergraute mir das Spieglein vor am Jahr draußen im Scheinpalaste bei den Äckern. Äcker voller guter Saat ('s war Weißkohl, ja weiß!!!!). Diese schmutzige Krähenbrut. Dämonisches Diebesgesindel! Mit Schmutzschnäbeln im Drecke wühlen nach der guten Saubersaat. Es graute mir vor'm Spieglein auch drinnen in da Weißstub', neu und fein. ---
Hatte als Vogelscheuche meinen Nachbarn auf's Felde gestellt, denn herkömmliche Methoden versagten, dahhh, dahhh, krahhh. Die Saat war wichtig, die Saat, nicht der Mensch ..., zerpflückt, zerschabt, zerhauen, zerschunden, zerpickt, zersetzt, zerwest!
Du Dachdecker einfaltslosen Biedermannbauens, glaubst Du mir nicht? Hältst mich für wahnsinnig? Kennst Du die Farben des Krieges nicht? Meinen Namen willst Du hören zum Aufschlusse? Erbreche Dich auf den transparenten Teller Deiner selbst! Dies Geräusch ist mein Name, die Farbe die Färbung des Krieges, genarrter Kellnermensch! Und was sich im Grau gespiegelt hat, penetranter Zuleser?

Ein Krähengesicht erblickt' ich im Grautagspiegel. Ich ... krahhh, Unreiner,
aasvogelbehäuptet.

"Krahhh, Krahhh, seht den großen Vogel da!
A feucht's Herz tropfet gar,
Dunkles Süpplein leidgeprüfter Schnabellaunen!
Puhlgeschabte Blut- und Körnerfreuden,
Prachtvoll' Futterjammer, da könnta staunen!"





Die weiße Tür

Jeden Tag, an den ich mich zu erinnern vermag, starrte sie mich an; und dieser lauernde, augenlose Blick war weitaus schlimmer als ein boshaft stechender, wie ihn Menschen aufzusetzen pflegen, wenn ihnen das Herz von einschüchternd haßerfüllten Empfindungen überquillt.
Augenlos, ja gleichermaßen seelenlos schien sie mich unaufhörlich zu beobachten wie ein hungerleidendes Raubtier, das nach beliebiger Beute Ausschau hält, und ihre Beute war zweifellos ich selbst.
Zeitlebens sandte sie mir ihr unnatürlich anmutendes Weiß entgegen, unnahbar und jungfräulich schien es lockend auf – unergründlich.
Und obschon Sie mich für verrückt erklären, mir gar jegliche Entschlossenheit absprechen oder andere plausible Gründe aus dem Hut zaubern werden, die meine beschämende Unwissenheit verhöhnen, verrate ich Ihnen, ja gestehe gerne, daß ich weder wußte wohin sie führte, noch wozu sie existierte, diese weiße Tür.

Tagein, tagaus sah ich mich konfrontiert mit einer tobenden Skepsis, die nach und nach einer geheimnisvollen Faszination wich, welche mich völlig gefangen nahm – wie die Auster ihre prächtige Perle – und alsbald meinen Puls vor unbändiger, fast neurotischer Neugier, in Gefilde äußerster Erregtheit trieb, bedingt durch das bloße Vorhandensein jenes banalen Objekts des Alltags . . .
Was mochte es hüten, was verbergen, dieses stumme Portal?
Der Schlüssel befand sich weder in meinem Besitz, noch war mir etwas von seiner Existenz zu Ohren gekommen. Mit bloßem Blicke war selbst das Schloß nicht zu gewahren, was dem bizarren Tatbestand zweifellos die Krone aufsetzte!
Unzählige Male schlich ich wie auf Samtpfoten, verstohlen gleich einem lausigen Dieb, heran, etwa um einen Laut zu erhaschen, der Aufschluß geben könnte über etwaige verborgene Geschehnisse, die sich da jenseits meines Blickfeldes ereignen mochten. Gleichwohl ich ebenso oft heranstürzte, um hastig meine Ohrmuscheln gegen die Wände, die jenes Objekt meines ungestillten Wissensdurstes flankierten, zu pressen, bis sie heiß und taub waren vom kraftvollen Druck, vermochte ich nicht den geringsten Laut auszumachen außer dem steten Ticken meines vor Unwissenheit nervös pochenden Herzens selbst.

Denn wo mögen Sie hindenken? Eine direkte Berührung mit der Tür war unvereinbar mit dem Respekt und einem tief verankerten Ehrgefühl, welches mich, nicht ohne die gewisse Beimengung eines kaum zu fassenden, vagen Anflugs der Angst selbst, dazu veranlaßte, einen körperlichen Kontakt übertrieben empfindsam zu scheuen! Es bedarf wohl überdies keiner besonderen Erwähnung, daß die ungeheure Vorstellung sie gar aufzubrechen – ein Gedanke, der noch nicht einmal im Keim erstickt werden konnte, denn er ward nie geboren in den brütenden Verstandesnebeln eines ausgreifenden Geistes, dessen vorrangig Ziel es ist Unnahbares, gleichsam Unergründliches zu fassen – ein Ding der Unmöglichkeit war. Ebenso gut könnte man seinen Kopf in den gierigen Rachen einer wilden Bestie stecken, mit der närrischen Hoffnung selbigen nicht zu verlieren!
Manche Dinge lassen sich nicht erzwingen.

In diesem Sinne verstrich die Zeit wie ein magischer, flüsternder Wind, ohne mir des Rätsels Lösung zuzuraunen, flog unaufhaltsam dahin, so sorglos . . . wirbelnd. Wohl würde er bald manch welkes Blatt vom gebeutelten Baume reißen und forttragen in Bereiche, in denen die Zeit selbst nur ein Wort ist . . .
So schien es mir, denn als ein unscheinbares, zunächst verborgenes Fenster, welches sich im selben Raum befand wie die Türe, ohne große Erwartung von mir geöffnet wurde, strich ein eisig züngelndes Lüftchen, Vorbote meines letzten Sturmwinds, heran.

Der darauf folgende Tag war kurz, doch um so länger die Nacht, als es sich begab, daß mir die Augenlider schwer wurden, schwer vom steten Blick auf dieses lichtumtanzte Geheimnis, dessen Schein in der Schicksalsdichte der Nacht unerträglich grell wirkte, ja eifrig loderte als Zeichen des letztmaligen Aufbäumens meines bereits auskühlenden Herzens . . ?





Und da! Die Türe, leise rief sie nach mir! Öffnen, durchschreiten sollte ich sie nach endlosem Warten, all dem qualvollen Ausharren. Umfächelt von Glück, mit rasendem Herzen und wallendem Blute sollte ich nun im Zustand hochgradiger Angeregtheit die geheimnisumwitterten Gefilde erkunden, die sich da auftun mochten, jenseits . . .

Arme formten sich aus bleichen Lichtstrahlen, traumdiesige Finger griffen mich bei der Hand und zogen mich sanft durch das Weiß.
Unbeschreiblich, das Glück jenes Augenblicks. Doch die lockende Flüsterstimme schwoll an zu spottendem Gelächter. . . mit dem Licht vollzog sich ein Wandel!!!
Meine Augen . . . verbrennen . . . das versengende Weiß . . . geblendet auf Lebenszeit . . . nichts ist mehr so wie es einmal war . . . wo sind meine Hände?
Mein Kopf . . !

Ich Narr war dem Ruf der Neugier gefolgt!